C. Lauer, D. Kaiser, M. Farke und S. Roozro-Gousheh (Chirurgische Praxis 2006;66:103-113)
Einleitung
Über die erste Resektion von Lungenmetastasen wurde 1855 von SEDILLOT berichtet; WEINLECHNER resezierte 1883 eine Lungenmetastase, die bei einer Thoraxwandresektion wegen eines Sarkomrezidivs entdeckt worden war; durch RÖPKE erfolgte 1921 eine Lobektomie bei einem Mammakarzinom. Im Rahmen eines metastasenchirurgischen Konzeptes resezierte DIVIS eine solitäre Lungenmetastase und BLALOCK berichtete 1944 über die Metastasenchirurgie bei einem kolorektalen Karzinom.
GALL wies bei 20% aller autopsierten Tumorpatienten eine isolierte pulmonale Metastasierung nach. 1979 verglich er Patienten mit kolorektalen Karzinomen und Lungenmetastasen; hierbei zeigte sich die Gruppe der an Lungenmetastasen operierten Patienten mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 42,4% der nicht operierten Gruppe mit lediglich 2,6% 5-Jahres-Überlebensrate überlegen.
Die »Kaskadentheorie« von BROSS und BLUMENSON aus dem Jahre 1976 bildet die theoretische Grundlage für die Lungenmetastasenchirurgie. Die Generalisierung eines malignen Tumors geht nur selten vom Primärtumor aus, da sich zunächst die ausgeschwemmten Tumorzellen in den nachgeschalteten Filterorganen festsetzen. Die eigentliche Generalisierung findet erst dann statt, wenn das erste Filterorgan passiert wurde bzw. wenn es zum Eindringen in den venösen Kreislauf der Lunge kommt.
Die Voraussetzung für die Metastasenchirurgie der Lunge ist ein klares interdisziplinäres onkologisches Therapiekonzept - so ist heute der Stellenwert der Metastasenchirurgie im Rahmen eines durchdachten Konzepts unumstritten.
Voraussetzungen für die pulmonale Metastasenchirurgie unter kurativem Ansatz:
Palliative Ansätze zur Metastasenchirurgie sind die Abszedierung, die Hämoptoe, das Auftreten einer retrostenotischen Pneumonie sowie schmerzhafte Osteolysen der knöchernen Thoraxwand.
In den letzten Jahren hat die Metastasenchirurgie noch eine Erweiterung in dem Sinne erfahren, dass bei Vorliegen einer weiteren solitären Metastase außerhalb der Lunge die Metastasenchirurgie durchaus sinnvoll ist. In Übereinstimmung mit der Literatur waren auch bei unseren Patienten, denen Leber- und Lungenfiliae operativ entfernt wurden, die 5-Jahres-Überlebensraten genauso günstig wie bei der Gruppe, in der nur Lungenfiliae entferntwurden.
Die Häufigkeit von Lungenmetastasen in Bezug auf den verursachenden Primärtumor hat sich im Wesentlichen nicht geändert (eine Auflistung ist in Tab. 2 zu sehen).
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